Der Streit um die Bewertung von städtischen Aufwertungsprozessen hat eine mittlerweile lange Tradition. Das dirty word (Neil Smith) enthält offensichtlich noch immer genügend Streitpotential, um regelmäßig Artikel und Beiträge zu provozieren, die bezweifeln, dass es sie überhaupt gibt, die erklären, dass es mit der Gentrification nur halb so schlimm sei, oder eben versuchen, deren positiven Aspekte hervorzuheben. Ein jüngst in der Welt erschienener Artikel “Die guten Seiten der Gentrifizierung. Szeneviertel ohne Konflikte” vereint in etwas wirrer Komposition gleich alle drei rhetorischen Figuren der Kritik an der Gentrification-Kritik.
Britta Nagel hat sich in München, Frankfurt/Main und Hamburg auf die Suche nach der konfliktfreien Aufwertung und den glücklich Verdrängten begeben. Fündig geworden ist sie in den neuen kleinbürgerlichen Milieus in Hamburg Altona (Große Bergstraße), München-Haidhausen und im Frankfurter Ostend.
Der Verweis auf die noch höheren Mieten in den benachbarten Stadtteilen oder anderen Städten darf natürlich nicht fehlen. Selbst Mietsteigerungen um über 30 Prozent wirken da im Vergleich fast wie ein soziales Ruhekissen:
Immobilienmakler wie Stephan Schlocker stellen erfreut fest: “Die durchschnittliche Marktmiete im Ostend ist in den vergangenen drei Jahren von acht auf 10,50 Euro gestiegen. Direkt gegenüber der EZB beträgt sie in den Neubauten schon 13 Euro.”
Neben diesem Klassiker der Gentrification-Verharmlosung werden im Beitrag zwei weitere Argumente entwickelt. Zum einen wird der Blick auf die positiven Effekte der Aufwertung gerichtet. Doch alle Freunde der Aufwertung werden letztlich schwer enttäuscht, denn die schöne These von den “guten Seiten der Gentrification” wird durch die Aussage entwertet, dass es in den zur Rede stehenden Gebieten eigentlich gar keine Gentrifcation gäbe – jedenfalls konnte von der Autorin nirgends eine Verdrängung festgestellt werden. Kurz zusammengefasst: Die positiven Effekte der Gentrification kommen dort am besten zur Geltung, wo es keine Gentrification gibt. Doch der Reihe nach:






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