Während das inhaltlich überbewertete BMW Guggenheim Lab auf dem Gelände des Pfefferbergs in Prenzlauer Berg eröffnet, wird das Rollladengeschäft von Werner Castorf in der Pappelallee nach 124 Jahren schließen. Auf den ersten Blick haben die beiden Ereignisse nicht vielmehr gemein als den Standort: Prenzlauer Berg. Während die einen vollmundig verkünden, die Zukunft des Urbanen zu diskutieren, steht der andere für die Vergangenheit der Stadt.
Ganz sicher gibt es Stimmen, die gleich erklären, dass sich die Welt nun mal verändert und wenn Rollos und Jalousien nicht mehr nachgefragt werden, braucht es ja auch keinen Laden, der diese Dinge anbietet. Dann muss eben halt auch ein Familienbetrieb, der seit dem Kaiserreich alle Phasen der deutschen Geschichte überlebt hat, dicht machen.
Doch die sich immer wandelnde Stadt braucht ja genau solche Orte, an denen sie sich ihrer eigenen Geschichte vergewissert. Den Laden der Castorfs gibt es seit dem Bau des Hauses in der Pappelallee – mehr Geschichte in Prenzlauer Berg geht nicht. Die Sehnsucht nach solchen ‘authentischen Orten’ wird nur allzu oft als Begründung für die hohe Attraktivität der Altbauquartiere angeführt. Wahrscheinlich gibt es sogar viele, die es schon auch irgendwie so ein bisschen traurig finden, dass so ein altes Familien-Geschäft jetzt aufgeben muss.
Doch das veränderte Alltags- und Konsumverhalten in der Nachbarschaft erweist sich als wesentlich wirkmächtiger, als die abstrakte Sehnsucht nach Geschichte und Authentizität. Werner Castorf bringt dieses Verhältnis auf den Punkt. Im Tagesspiegel wird der 90-jährige wie folgt zitiert:
Ob er denn weiß, was der Vermieter vorhat mit den Räumen? „Keine Ahnung, bestimmt wat Gastronomischet.“ Es war schon jemand da, der einen Delikatessenladen aufmachen würde.
Gehen und Kommen
Für Castorfs Ladengeschäft in Prenzlauer Berg war der 13. Juni der letzte Verkauftag – danach war Sense. Das Marktargument klingt in einer markförmig organisierten Gesellschaft für die Erklärung der Schließung erst einmal überzeugend. Aber warum gibt es dann das BMW Guggenheim Lab – ein Veranstaltung, die zumindest in Berlin bis auf den Bürgermeister kein Mensch braucht?
Selbst die sonst in Fragen der Stadtkritik eher zurückhaltende Leserschaft des Tagesspiegels hält nicht viel vom BMW Guggenheim LAB. In einem Leservoting erhält das BMW Guggenheim Lab weniger Zustimmung als der Regeierende Bürgermeister in aktuellen Wählerbefragungen.
Da gibt es eigentlich nur eines zu sagen: “… und Tschüss”



Die Umfrage des Tagesspiegel ist typisch für nahezu alle derartigen Umfragen in den kommerziellen Medien. Natürlich ist das “Guggenheim Lab” kein “sinnvoller Beitrag zu den Debatten rund um Standentwicklung (sic)”. Aber es ist eben auch keine “reine Werbeveranstaltung”. Mit dieser Setzung der Alternativen wird das “Guggenheim Lab” verharmlost. Ob dies Absicht oder Dummheit ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.
Von: Tabul A. Raza am Juni 18, 2012
um 12:49 nachmittags
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Von: rutzel am Juni 18, 2012
um 3:55 nachmittags
Hier ein Interview mit Werner Castorf in der taz:
http://www.taz.de/!88511/
Von: xyz am Juni 20, 2012
um 3:12 nachmittags
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Von: monalizani am Juni 23, 2012
um 11:04 vormittags
Ich finde es sehr schön, wenn hier endlich mal die Differenz zwischen dem Mythos “Altbau” und denn Kauf/Wertpräferenzen auftaucht und als Antriebskraft von Veränderung benannt wird. Im Grunde belügen sich die Leute selbst und stimmen aber mit dem Geldbeutel ab. Dann gehen wir doch an diesen!
Von: Tim am Juli 6, 2012
um 2:58 nachmittags
Ganz sicher gibt es Stimmen, die gleich erklären, dass sich die Welt nun mal verändert und wenn Rollos und Jalousien nicht mehr nachgefragt werden, braucht es ja auch keinen Laden, der diese Dinge anbietet.
Könnte ja stimmen. Wenn nicht eben einen neuen Rollos- und Jalousienladen in der Pappelallee, ca. 200m von Castorf entfernt, gerade die Neueröffnung feierte.
Seien wir aber ehrlich, ohne Nachfolger (und bisher gab’s ja keinen) hätte Castorf nicht viel länger machen können, Mietschulden hin oder her. Traurig, aber wahr.
Von: daggi am Juli 21, 2012
um 12:06 vormittags
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Von: Blogs aus Berlin bei ebuzzing.de – Ranking für August 2012 | world wide Brandenburg am August 28, 2012
um 4:52 vormittags
Na und? Dann gehen dort eben die Rollläden runter. Es gibt auch nicht mehr wirklich viele Dampflokomotiven.
Von: abraxas am September 27, 2012
um 8:19 vormittags