Verfasst von: ah | August 18, 2008

Gentrification, aber sicher

Gentrificationprozesse sind durch die Zurichtung der Nachbarschaften und Wohngelegenheiten für die Lebensstile und Wohnbedürfnisse von Besserverdienenden gekennzeichnet. Neben Wohnungsgrößen und Ausstattungskriterien spielen Fragen der Nachbarschaftszusammensetzung und der Sicherheit bei der Wahl von Wohnquartieren von Wohlhabenderen zunehmend eine zentrale Rolle. Weltweit sind „gated communities“ zu Orten des exklusiven Luxuswohnens geworden. Auch in Berlin gibt es erste Beispiele für solche umzäunten und bewachten Luxuswohnanlagen. Ein Artikel im Tagesspiegel stellt verschiedene Townhousesiedlungen in Prenzlauer Berg vor. Ein anderes Beispiel für die neuen Sicherheitsbedürfnisse findet sich in Kreuzberg: die Carlofts in den Paul-Lincke-Höfen. Dabei können über einen Lastenfahrstuhl die Autos auf den Etagen der Wohnungsinhaber geparkt werden. Neben dem Ende der lästigen Parkplatzsuche versprechen die Carlofts vor allem eins: Sicherheit für die teuren Autos:

Erst vor zwei Monaten hatte Polizeipräsident Dieter Glietsch gesagt, Besitzer hochwertiger Autos sollten diese besser nicht nachts in Kreuzberg parken. Mehr als 60 Luxuswagen wurden 2008 in Berlin schon angezündet.

Doch nicht alle sind über die mediale Aufmerksamkeit für die neuen Luxuswohnprojekte erfreut.

Die Bewohner sind etwas genervt von der medialen Aufmerksamkeit. Eine Frau mit Sonnenbrille und Einkaufstüte schiebt ihren Buggy entschlossen am Reporter vorbei, um dann überraschend kehrtzumachen. „Das ist hier ein Paradies für Familien und billiger als Altbauten am Kollwitzplatz.“ Die Nachbarschaft sei „sehr homogen“. Die meisten wohnen schon länger in Prenzlauer Berg, sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, haben kleine Kindern und gut bezahlte Jobs. Medienleute, Anwälte, Künstler und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts. Das Tor und der Doorman hätten niemanden zum Kauf bewegt, sagt die Frau mit Sonnenbrille. „Nix mit Elite grenzt sich ab und so.“ Im Prenzlauer Berg mache Abgrenzen gar keinen Sinn – „von wem denn?“


Responses

  1. […] Nach den Beiträgen in der Berliner Zeitung (hier im Blog) und in dem Berliner Tagesspiegel (siehe hier) wagt sich nun auch die überregional erscheinende FAZ ans Thema: Berlin: Luxus für den Kiez. Dem […]


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