Verfasst von: ah | September 6, 2008

Erfolgsstory Kollwitzplatz?

Die kürzlich auch hier vorgestellte Sozialstudie 2008 für das Sanierungsgebiet Kollwitzplatz beschäftigt nun auch die lokalen Printmedien. Stefan Strauss stellt die Studie und die stadtpolitischen Reaktionen im Bezirk in der Berliner Zeitung vor und macht uns allen nochmal klar, dass die Sanierung mit öffentlichen Geldern finanziert wurde: 131 Millionen Euro für einen Kiez ohne Spießer. „Weitgehend als Erfolg“ bewertet Jochen Korfmacher vom Kreuzberger Büro für Stadtplanung, -forschung und -erneuerung (PFE) die Veränderungen der vergangenen 15 Jahre. Das sehen nicht alle so…

Und kaum sind die Ergebnisse bekannt, beginnt darüber im Bezirk eine Debatte. „Die Studie wirft Fragen auf, über die wir noch diskutieren müssen“, sagt Michail Nelken (Linke), der Pankower Stadtrat für Stadtentwicklung. … Laut Studie konnte ein „erheblicher Anteil“ früherer Bewohner im Sanierungsgebiet bleiben. Konkret sind es laut Studie 17,3 Prozent der heutigen Bewohner, die schon vor 1993 im Gebiet wohnten. „Das heißt aber auch, dass mehr als 80 Prozent der angestammten Bevölkerung nicht mehr da sind. Ist das jetzt ein Erfolg, ein Teilerfolg oder ein Misserfolg?“, fragt Stadtrat Nelken. „Meine persönliche Erfahrungen stehen den Ergebnissen der Studie diametral gegenüber.“ Von „Rechenkunststücken“ spricht der Verordnete Wolfram Kempe von der Linken.

Jochen Korfmacher kann diese Zweifel und die Kritik nicht verstehen: „Warum wird der Wegzug aus einem Gebiet denn so negativ dargestellt?“. …

Marin Majica ergänzt den Beitrag in der Berliner Zeitung um einen hübchen Kommentar: Das Ende der Sanierung. Die stetige Verteuerung des Kiezes folge dem Gesetz der Gentrifizierung:

Am Anfang kommen Hausbesetzer, dann Galerien, junge Kreative, zuletzt Anwälte, Ärzte und Rentner aus West-Deutschland, die Eigentumswohnungen kaufen. Man kann das furchtbar finden. Sinnvoller ist es vielleicht, über Mechanismen nachzudenken, wie dem kompletten Ausverkauf im Detail entgegengewirkt werden kann.

Aber man sollte das äußerst vorsichtig tun. Ein Soziologe, langjähriger Bewohner und Erforscher von Prenzlauer Berg, wurde 2007 drei Wochen lang in Untersuchungshaft genommen, weil er in Texten das Wort „Gentrifizierung“ verwendet hatte. Man hatte ihn für einen Terroristen gehalten.


Responses

  1. Wir laden alle Gentrification-Gegner herzlich zur morgen in Berlin-Kreuzberg stattfindenden Demosntration anlässlich der Eröffnung der „O2-World“ ein.
    Treffpunkt ist 17.30h Kottbusser Tor.

    Organisiert wird das ganze von der Bürgerinitiative „MediaSpree versenken!“, die schon den erfolgreichen Bürgerentscheid organisiert hat.

    http://www.kreuzberg-info.de/pirati/
    http://www.ms-versenken.org/

  2. […] Comment! Stefan Strauss stellt die Studie und die stadtpolitischen Reaktionen im Bezirk in der Berliner Zeitung vor und macht uns allen nochmal klar, dass die Sanierung mit öffentlichen Geldern finanziert wurde: 131 Millionen Euro für einen Kiez ohne Spießer. “Weitgehend als Erfolg” bewertet Jochen Korfmacher vom Kreuzberger Büro für Stadtplanung, -forschung und -erneuerung (PFE) die Veränderungen der vergangenen 15 Jahre. Das sehen nicht alle so… Weiterlesen […]

  3. […] was waren wir schockiert, als durch die PFE-Studie am Kollwitzplatz bekannt wurde, dass nur knapp 20 Prozent der aktuellen Bewohner/innen bereits vor der Sanierung am […]


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