Verfasst von: ah | September 21, 2008

Kleinräumige Aufwertungen in Kreuzberg

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Jungle World gibt es ein ausführliches Interview mit dem Stadtplaner Sigmar Gude von topos über die Ergebnisse der jüngsten Sozialstudien zu Kreuzberg: „Noch immer wird man als Krawattenträger in Kreuzberg 36 komisch angeschaut“.

Demnach weisen die Sozialstrukturen eine große Konstanz auf. „Es findet weder eine Verslumung statt, noch kommt es zu solch enormen Aufwertungs­tendenzen wie am Prenzlauer Berg.“ Dennoch wurden erhebliche Mietsteigerungen festgestellt:

Richtig ist, dass die Mieten recht stark steigen. Während sie in Kreuzberg 36 noch zu Beginn der neunziger Jahre oft unter dem Mietpreisspiegel lagen, liegen sie nun oft darüber. Insbesondere bei Neuvermietungen liegt der Durchschnittpreis nun bei sechs Euro netto-kalt pro Quadratmeter. Diese Mietsteigerungen bedrohen inzwischen nicht nur die Armen, sondern eben auch den Mittelstand. Auch dieser muss heute rund ein Drittel seines Einkommens für die Warm-Miete ausgeben. Aber die Mieten steigen überall, nicht nur in Kreuzberg, und ins­be­sondere im unteren Marktsegment. Heutzutage streiten sich Menschen mit mittlerem und ge­ringem Einkommen um dieselbe Wohnung.

Aber Sie haben in Kreuzberg 36 auch Aufwertungs-Tendenzen entdeckt? Ja, kleinräumig, besonders im Kiez um die Reichenberger Straße lassen sich solche Tendenzen beobachten. Im Reichenberger Kiez hatte sich die ursprüngliche Kreuzberger Bevölkerung in den siebziger Jahren am längsten gehal­ten, hier sind die Migranten und das alternative Milieu erst später eingewandert. Aber dort gab es schon immer edles Wohnen am Paul-Lincke-Ufer, und an diese erste Reihe dockt sich nun eine zweite Reihe in den Nebenstraßen an.

Eindeutiger hingegen wird die Situation für die Ostberliner Innenstadtbezirke bewertet:

Am Prenzlauer Berg und in Mitte hat eine umfassende Gentrifizierung stattgefunden. Von den Menschen, die 1993 rund um den Kollwitzplatz wohnten, leben heute noch 18 Prozent dort. Selbst das mittelständische Berliner Bür­ger­tum beklagt sich inzwischen über ihre Vertreibung aus den Kernzonen von Mitte, weil es die Mieten nicht mehr bezahlen kann. Doch die Nachfrage nach diesen hochpreisigen Quartieren ist begrenzt. In Kreuzberg 36 wohnen rund 33 Prozent der Bevölkerung schon länger als 20 Jahre im Stadtteil. Dabei gibt es in den Altbaugebieten einer Großstadt einen natürlichen Bevölkerungsaustausch, der liegt bei etwa zehn bis zwölf Prozent pro Jahr. Dies ist kein An­zeichen für Vertreibung, sondern die Leute kom­men und gehen.


Responses

  1. […] der Nischen Gerade erst wurde eine Studie über die großflächigen Mietsteigerungen und kleinräumigen Aufwertungstendenzen in Kreuzberg veröffentlicht, nun drängt sich die Realität der Aufwertung ins Rampenlicht. Einer […]

  2. […] Aufwertungen auch um Kreuzberg keinen Bogen machen, wurde hier im gentrification blog schon an der einen oder anderen Stelle beschreiben: steigende Mietpreise im Reichenberger Kiez, Car Loft und […]


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