Verfasst von: ah | September 30, 2008

Moskau: Stadtumbau für ‚Neue Reiche‘

Stadtumbau Moskau (http://www.inmoskau.de/blog)

Gentrification ist längst ein globales Phänomen: In Moskau werden ganze Stadtviertel aus dem Boden gestampft in denen vor allem die “Nouveaux Riches” wohnen werden. Für schlappe 14 Mrd. Euro werden zur Zeit etwa 20 Wolkenkratzer errichtet: “Moscow City”. Neben Geschäftsräumen entstehen vor allem Luxuswohnungen (imagetours). Dass solche Großprojekte auch den sonstigen Wohnungsmarkt beeinflussen, zeigt das Beispiel der russischen Hauptstadt eindrücklich. Novosti, die russische Nachrichtenagentur titelte Anfang des Jahres: Moskau: Wohnungspreise schlagen alle Rekorde.

Die Preise nahmen in allen Segmenten zu: einfache Wohnungen – 7 Prozent, Komfortwohnungen – 6,7 Prozent, Luxusimmobilien – 6 Prozent. Die Preise für Einzimmerwohnungen sind sogar um bis zu 20 Prozent angestiegen. Im Dezember kostete eine einfache Einzimmerwohnung (35 Quadratmeter) in Moskau etwa 160 000 US-Dollar, jetzt beläuft sich der Preis dafür schon auf 190 000 US-Dollar.

Einen guten Einblick in den Moskauer Wohnungsmarkt gibt auch der kleine Filmbeitrag auf RussiaToday: Real estate prices surge in Moscow. In einem Kommentar zum Beitrag heisst es:

In Moskau scheint zurzeit eine Art Verdrängungswettbewerb auf dem Wohnungsmarkt stattzufinden, wobei ärmere Schichten der Einwohner auf der Strecke bleiben könnten. Gerade in Russland sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich ja immens! Neu entstehende Gebäude wie der Federation Tower Moskau mit seinen Privatclubs, Büroflächen und Luxusappartements — laut Jabamaro.de hat das kleinste Appartement eine Größe von 160 Quadratmetern — werden die Situation nicht entschärfen. So faszinierend solche Bauprojekte wie der Federation Tower Moskau sind, sie können und dürfen eine kluge Stadtplanung zum Wohle aller (!) nicht ersetzen. Und die scheint manchmal zu fehlen! (Kommentar von Ansgar Sadeghi — 5 March, 2008)

Cordula Gdaniec beschrieb schon 2005 in ihrem Buch Kommunalka und Penthouse. Stadt und Stadtgesellschaft im postsowjetischen Moskau die Wohnungsmarktentwicklungen in Moskau als spezifische Formen der Gentrification. In einer Buchbesprechung zu ihrem Buch heißt es unter anderem:

Im Zentrum der Betrachtung einer sich wandelnden Stadtlandschaft und Stadtgesellschaft stehen Moskaus Suche nach einer neuen Identität innerhalb regionaler und globaler Zusammenhänge sowie eine sehr spezifische Form der Gentrifizierung. Gdaniec analysiert diese Prozesse anhand der Umwandlung der Kommunalki (der unter Stalin eingeführten Gemeinschaftswohnungen, die teils bis heute weiterbestehen) in Luxuswohnungen oder Penthouses für die so genannten „Neuen Reichen“. Sie zeigt dies exemplarisch anhand des Stadtviertels Ostoschenka, das zentrumsnah (das heißt in Moskau: innerhalb des Gartenrings) südwestlich des Kremls an den großen Fluss der Stadt, an die Moskwa angrenzt.


Responses

  1. Hallo,
    wenn Du Dir ein Bild bei mir entleihst, dann fände ich eine zumindest eine Bildunterschrift mit Quellenangabe angemessen.

  2. Hallo achim, war keine Absicht. Ich bin technisch gesehen noch ein ziemlicher Anfänger beim Bloggen und in meiner Ansicht zeigen die Bilder immer den Herkunftslink an – aber mit Unterzeile natürlich noch viel schöner.

  3. Ok, danke zumindest für die Antwort. Wenn es ein technisches „Anfänger-Problem“ ist, dann versuche es doch zu lösen. Falls es zu viel Stress macht, auch kein Problem. Ich freue mich einfach, wenn meine Arbeit angemessen gewürdigt wird.

    Grüße aus Moskau
    Achim

  4. eine frage:
    kannst du mir vielleicht die genaue adresse der baustelle sagen
    (straße oder viertel)

    vielen dank


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