Verfasst von: ah | März 3, 2009

Wilhelmsburg: Landgang der Aufwertung

Anfang Februar mobilisierte das Aktionsnetzwerk gegen Gentrification in Hamburg zu einer Stadtteilversammlung in St. Pauli, um die geplante Verlegung von drei kommerziellen Beachclubs in den Stadtteil zu verhindern (siehe hier). Etwa 180 Teilnehmer/innen kamen zur Stadtteilversammlung und beschlossen eine Resolution gegen die geplante Kommerzialisierung des Elbufers.

Ob die Protstdrohung oder büroratische Schwierigkeiten zum Scheitern der Pläne führten, lässt sich nicht eindeutig sagen – Fakt ist, es wird keine Beachclubs in St. Pauli geben. So weit so schön, doch leider keine Entwarnung, was das gefürchtete Aufwertungspotential der Beachclubs betrifft. Denn kaum ist der gastronomische Landgang der Aufwertung an St Pauli vorübergegeangen, werden die ersten Stimmen laut, die eine Ansiedlung der Beachclubs in Wilhelmsburg fordern. Die Hamburger Morgenpost fragte in ihrer Ausgabe vom 17.02. „Beachclubs nach Wilhelmsburg?

Nun mag sich der eine oder die andere fragen, warum denn ausgerechnet Strandbars von vielen für Motoren der Aufwertung und Brückenköpfe der Gentrificatrion gehalten werden. Zentrales Argument ist sicherlich der mit solchen Beachclubs verbundene Imagegewinn einer Wohngegend als besonders hipper Ort. Ein älterer Artikel im Veranstaltungsmagazin Prinz zu Wilhelmsburg und Veddel „Hamburgs Süden liebt’s lässig“ beschreibt schon jetzt die zunehmende Zahl von Szenekneipen. Am Beispiel einer Studentin, die auf dem Ticket der SAGA-Lockmieten nach Wilhelmsburg gezogen ist, wird der Stadtteil auf seine Szenetauglichkeit getestet:

An Wilhelmsburg mag sie das belebte Straßenbild und die vielen kleinen Parks. „Mittlerweile wohnen auch viele Kommilitonen hier“, erzählt sie. „Das, was an  Clubszene fehlt, wird einfach durch Wohnzimmerpartys ersetzt.“
Trotzdem: Ein paar mehr Bars und Restaurants würde sie sich auf der Elbinsel wünschen, wie auch die anderen Veddel-Bewohner.Mitte Juni dieses Jahres trafen sich die Wilhelmsburger Gastronomen und die ansässigen Studenten auf Initiative der Saga-Tochtergesellschaft Pro- Quartier, um über eine Verbesserung der hiesigen Gastroszene zu diskutieren.

Der gastronomischen Fallout von Strandbars am Reiherstieg könnte aber auch einen anderen Grund haben. Am Beispiel von Protestaktionen gegen teure Läden im Schanzenviertel beschriebt die Hamburger Morgenpost unter der Schlagzeile „Terror gegen kleine Läden“ die steigenden Versicherungskosten für Fensterscheiben im Aufwertungsquartier:

Die Angreifer wollen die Läden vertreiben. Je mehr beschädigt werden, umso höher steigen die Versicherungprämien und weniger Läden können sich hier ansiedeln. Schon jetzt gibt es einen Sondertarif für die Schanze. Der ist bei den meisten Versicherungen doppelt bis drei Mal so hoch.


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