Verfasst von: ah | März 23, 2009

Berlin: Verdrängungserfolge

Eine Ausstellung zur Aufhebung der Sanierungssatzung im Sanierungsgebiet Kollwitzplatz (Berlin Prenzlauer Berg) scheidet mal wieder die Geister. Der Tagesspiegel beschreibt den Streit um die dramatischen Sozialstrukturveränderungen im Gebiet ein wenig verniedlichend als  eine Entwicklung  „Zwischen Aufschwung und Abwanderung“:

Update: In der Morgenpost erschien ein ausführlicher Bericht zur Ausstellungseröffnung: „Kollwitzkiez: Erfolgsmodell mit Schattenseiten„.Und auch in der Berliner Zeitung ist ein Veranstaltungsbericht zu finden:Wohnungen zu teuer, Markt zu laut. Ulrich Paul geht in seinem Kommentar „Ein Mietenstopp würde helfen“ grundsätzlich in die richtige Richtung. Allein die von ihm geforderte Bundesratsinitiative, zur Beschränkung von Neuvermietungsmieten auf maximal 20 Prozent über dem Mietspiegel, wird jedoch kaum reichen…


Während der zuständige Stadtrat Michael Nelken (Linke) zur Eröffnung der Ausstellung „15 Jahre Stadterneuerung Kollwitzplatz 1993 – 2008“ die verheerenden sozialen Effekte der Sanierungspolitik kritisierte und mit der Aussage

90 bis 100 Prozent der Mieter in sanierten Häusern (haben) vorher anderswo gewohnt

die Debatte um die Verdrängung um eine weitere dramatische Zahl ergänzte, übte sich die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) mal wieder in ihrer wohlbekannten Erfolgslyrik und

lobte die Veränderungen in diesem besonders dicht besiedelten Gebiet als Erfolgsmodell dafür, wie ein „lebendiger, lebenswerter Stadtteil erhalten“ wurde. … Die Stadtentwicklungssenatorin wies Nelkens Interpretation der Zahlen zurück und sagte, dass sich sowohl die Mieten als auch die Fluktuation in Prenzlauer Berg „im vergleichbaren Durchschnitt der Stadt“ bewegten.

Nachdem die Senatorin ja kürzlich erst den Prenzlauer Berg als eine 1a-Lage bezeichnete, in dem sie nicht jedem eine Wohnung garantieren könne, wird sie vermutlich selber wissen, dass die Durchschnittshypothese reichlich gewagt ist. Dass sich Michael Nelken für seine Kritik an der Stadterneuerungspolitik der vergangenen 15 Jahre laut Tagesspiegel ausgerechnet von einem grünen Bezirksverordneten als „alter Barrikadenkämpfer“ verspotten lassen musste, zeigt zumindest, wessen Parteiklientel sich im grunderneuerten Prenzlauer Berg zu Hause fühlt…


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