Verfasst von: ah | Mai 11, 2009

Berlin: Ex-Baustadtrat mag keine Luxuswohnungen

Heute gibt es ein sehr schönes Interview mit Matthias Klipp in der taz zu lesen: „Ich wundere mich, dass keiner Farbbeutel wirft. Darin beschreibt der ehemalige Stadtteilaktivist, Baustadtrat, der seit Ende der 1990er Jahren bei verschiedenen Sanierungsgesellschaften, Bauträgern und Immobilenentwicklern arbeitete, seine Sicht auf die Veränderungen in Prenzlauer Berg. Nie ein Mann der kleine Töne gewesen, lässt uns Matthias Klipp erfahren was, er von den Luxuswohnprojekten hält und dass er sich mit den Marken teurer Autos auskennt.

Hier ein Ausschnitt aus dem Interview, Aufhänger ist zunächst die Einschätzung seiner Arbeit als Baustadtrat von Prenzlauer Berg (1990-1996):

Sie haben die Gentrifizierung lediglich verzögern können?

Eine gewisse Verzögerung, aber es gibt immer noch auch genossenschaftliche Projekte, die von mir unterstützt worden sind. Wir haben die besetzten Häuser eins nach dem anderen legalisiert. Die sind bis heute ganz wichtige Projekte innerhalb der Kieze. Man muss auch räumlich differenzieren: Am Kollwitzplatz hat es ganz sicher Verdrängung und Vertreibung gegeben, in anderen Gebieten verläuft die Entwicklung eher normal bis behutsam.

Könnten Sie sich mit Ihrer Familie an der Oderberger Straße noch eine Wohnung leisten?

Hier vielleicht, am Kollwitzplatz nicht mehr, weil es da überhaupt keine Mietwohnungen mehr gibt, sondern nur noch Eigentumswohnungen.

Es gibt inzwischen wieder linke Gruppen, die mit dem Slogan „WBA – Wir bleiben alle“ gegen Gentrification kämpfen, teils sehr radikal. Wundert Sie das?

Ich staune eher, wie wenig gegen Projekte wie das Palais Kolle Belle oder Marthashof protestiert wird. Ich krieg schon das Kotzen, wenn ich die Werbesprüche sehe. Dass es nicht mal mehr jemanden gibt, der einen Farbbeutel wirft, das finde ich erstaunlich.

Es werden in letzter Zeit viele Autos angezündet …

Ich krieg auch einen dicken Hals, wenn ich am Arnimplatz die ersten Audi Q7 oder Mercedes R-Klasse stehen sehe, die gleich zwei Parkplätze besetzen. Aber ob mit dem Anzünden von Autos ein organisierter Prozess zustande kommt, der sich wirklich mit den Akteuren der Verdrängung auseinandersetzt, bezweifle ich. Die Autos sind versichert, das führt also eher dazu, dass der Ausstoß dieser Marken noch künstlich erhöht wird.


Responses

  1. Der Link ist kaputt😉

  2. Danke für den Hinweis, ich hatte auf die Tagesausgabe verlinkt, jetzt ist der Artikel nur noch im Archiv zu finden. Ist geändert und müsste jetzt wieder klappen.


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