Verfasst von: ah | Juni 30, 2009

Bürgerkriegsszenarien für die Kehrseiten der Aufwertung

Der von Medien zum Terrorismus-Experten hochgeschriebene Ulf Ulfkotte ist bisher vor allem durch seine Versuche, das „Abendland vor der islamistischen Gefahr zu retten“ aufgefallen. In seinem neuesten Buch zeichnet er ein Szenario von sozialen Unruhen in Folge der Krise: Vorsicht Bürgerkrieg!: Was lange gärt, wird endlich Wut. Mit dieser Panikmache steht Ulfkotte nicht allein: bereits Ende April hat der Focus eine Umfrage zitiert, derzufolge sagenhafte 32 Prozent der Befragten bereit seien, angesichts der Krise an Demonstrationen teilzunehmen. Titel des Artikels: Deutsche fürchten soziale Unruhen. Denn „54 Prozent der Befragten rechneten mit sozialen Unruhen in Deutschland“…

Für alle, die wissen wollen, wo diese Unruhen stattfinden werden, hat Ulf Ulfkotte nun einen „Atlas der Wut“ erstellt, der seinem Buch beiliegt. Die Leipziger Volkszeitung weiss mehr darüber:

Nach Ulfkottes Angaben kursieren bei deutschen Sicherheitsbehörden streng vertrauliche Listen, die soziale Brandherde quer durch Deutschland benennen. Sie seien 2005 als Reaktion auf die schweren Unruhen in französischen Vorstädten erstellt worden. Dieser sogenannte „Atlas der Wut“ umfasse eine Liste mit 165 Stadtteilen und Orten, in denen Sicherheitsexperten starke soziale Unruhen, Krawalle und Revolten in absehbarer Zeit für wahrscheinlich halten. Schwerpunkte sind danach das Ruhrgebiet sowie mehrere problembelastete Stadtteile in Hamburg, Bremen, Berlin, Frankfurt, München und Hannover. In den neuen Ländern werden Unruheherde vor allem in Sachsen vermutet. Danach rechnen Staatsschutz und Verfassungsschutz mit der Gefahr sozialer Unruhen vor allem in den Leipziger Stadtteilen Leutzsch und Kleinzschocher und in Dresden-Prohlis und -Pieschen, sowie in Hoyerswerda und Chemnitz-Kaßberg. In Thüringen wird Jena-Nord genannt, in Sachsen-Anhalt Wolfen-Nord und Halle-Silberhöhe, in Mecklenburg-Vorpommern Rostock-Lichtenhagen.

Florian Rötzer spricht auf telepolis treffend von einem Notstands-Mapping und verweist auf die Perspektive eines Redlinings („In den Risikoorten sollte man womöglich nicht investieren, wer dort wohnt, sollte überlegen, ob er nicht woandershin zieht“).  Die von Ulfkotte beschriebenen „problembelasteten Stadtteile“ sind gerade nicht die Aufwertungsgebiete, sondern die Resträume der Gentrificationprozesse, in denen sich nicht zuletzt diejenigen konzentrieren, die aus anderen Stadtteilen verdrängt worden.

Anders als die sozialdemokratischen Warnungen vor Pariser Verhältnisse geht es Ulfkotte nicht um eine Vermeidung oder Milderung der sozialen Polarisierung in den Städten, sondern um die Beschreibung von quasi-militärischen Aufstandsbekämpfungsstrategien. Dies könnte ohne Zweifel als Teil einer medialen Gefahreninszenierung abgetan und an die dafür zuständigen Satiremagazine verwiesen werden. Doch die (hier bei cop2cop zitierte) Verlagswerbung gibt doch zu denken:

Lesen Sie, wie Polizeiführer derzeit insgeheim auf die Bekämpfung von schweren Unruhen und auf die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in deutschen Städten vorbereitet werden. Von Internierungslagern bis zu Zwangsdurchsagen im Radio wird derzeit alles vorbereitet. Einige der Polizeiführer sprechen ganz offen über den erwarteten »Bürgerkrieg«, den sie mit allen Mitteln abwehren müssen.


Responses

  1. […] Bürgerkriegsszenarien für die Kehrseiten der Aufwertung « Gentrification Blog […]

  2. Ziemlich übertrieben das Ganze! Gerade die genannten Gebiete (zumindest meine Heimatstadt Dresden betreffend) sind nicht wirklich für einen Aufstand geeignet. Prohlis versucht man nach und nach in ein familienfreundliches Viertel zu verwandeln und Pieschen ist teils von Rechten, teils von Linken besetzt (die würden sich also eher selbst meucheln).
    Ich bin der Meinung noch irgendwo gelesen zu haben, dass der Verlag wohl auch eher Verschwörungstheoretikern und rechten Spinnern eine Plattform bietet.

  3. Wäre ja zu schön um wahr zu sein aber ist natuerlich nur wieder ein gelungener Versuch Angst und Schrecken zu verbreiten um Schafe in gelb schwarze Gefilde zu locken .Dann kann sich die FDP mit den Schwarzfüßen rumschlagen wenn es um Bundeswehreinsätze im Inneren geht.Natuerlich zum Schutz unser aller vor raubenden schrecklichen Anarchohorden die sich mit Kinderpornographieterroristen brutalen Sozialneidschmarotzern zusammenrotten um geschickt unterwandert durch die Linke u. Pakistans Taliban Deutschland und dem ganzen Westen den Garaus zu machen.

  4. Was liefert Ulfkotte denn an Belegen?


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: