Verfasst von: ah | November 21, 2009

Berlin: Klebt Wolfgang Thierse heimlich Plakate?

Plakat zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in Prenzlauer Berg

Die Berliner Medienlandschaft von BILD bis Freitag rätselt seit ein paar Tagen, wer wohl hinter den Ost-West-Spaltungsplakaten von Prenzlauer Berg stecken mag. Nach Antischwaben-Plakaten in den vergangen Jahren tauchten zum 20 .Jahrestag des Mauerfalls Plakate mit der Aufschrift: „Wir sind ein Volk – Und ihr ein anderes“ auf. Insbesondere von konservativen Medien als Affront gegen die glückseeligen Einheitsfeierlichkeiten zum Mauerfall empfunden, war schnell von „Hassplakaten“ die Rede.

Insbesondere die Verbindung von Ost-West-Herkunftsfragen mit den Entwicklungen in Prenzlauer Berg dürften doch nun 20 Jahre nach der Wende kein Thema mehr sein und nur noch von ewig Gestrigen ausgegraben werden – so in etwa die Argumentation im Berliner Blätterwald.

Nun hat ausgerechnet der für seinen fast schmerzhaften Sanftmut gegenüber allen ostdeutschen Dominanzerfahrungen mit dem Westen bekannte Wolfgang Thierse in einem Radio-Interview die westdeutschen Eigentumserwerber für die Verdrängungsprozesse in Prenzlauer Berg verantwortlich gemacht.

Beim WDR-5-Radio gab es heute in der Reihe „Platz der Republik“ einen kurzen Beitrag zu den Aufwertungen in Prenzlauer Berg: „Hip, chic, für viele unbezahlbar: Der Prenzlauer Berg“ (ein Beitrag von Anja Köhler). Hier gibt es den Podcast, der Beitrag zu Prenzlauer Berg ist von Minute 14:30 bis 19:45 min an zu hören.

Wolfgang Thierse – der noch länger am Kollwitzplatz wohnt, als er im Bundestag vertreten ist –  kommt zu Wort und will zwar den ‚alten Zeiten‘ nicht hinterhertrauern, findet es aber auch nicht in Ordnung, wenn Eltern aus Stuttgart, München oder Hamburg ihren mehr oder weniger mißratenen Kindern eine Eigentumswohnung kaufen. Dies würde schließlich die Preise hier verderben und die Mieten ‚künstlich‘ in die Höhe schnellen lassen. Mal abgesehen von der etwas naiven Vorstellung vom Immobilienmarkt, eine erstaunliches Statement angsichts der gerade mal wieder aufflammenden Ost-West-Debatte in Prenzlauer Berg:

Wolfgang Thierse: „Was immer ärgerlich und problematisch war, ist der Umstand dass dann eben doch vermögende Leute aus Stuttgart, München, Hamburg oder wo immer für ihre geratenen oder mißratenen Söhne und Töchter da  in Prenzlauer Berg Eigentumswohnungen kaufen – fast zu jedem Preis. Das ist eine unangenehme und ungesunde Entwicklung, weil sie ein künstliche Steigerung von Mieten und Wohnungspreisen erzeugt.“ (16:20-16:48 min)

Viel  schöner hätten es die Plakatkleber/innen sicher auch nicht sagen können.

Bild: Fenster zum Hof


Responses

  1. …diese ganze Plakat-Sache ist an Kleinkariertheit und Spießbürgerlichkeit kaum noch zu überbieten…“Ihr seid ein anderes“…so einen Quatsch hab ich seit Jahren nicht mehr gelesen…am besten einfach ignorieren und zurück zu Sachfragen…

  2. von nix kommt nix

  3. […] bleiben allenfalls rhetorisch. Aber im Schatten der medialen Aufregung um angezündete Autos und Hassplakate hat sich eine fundierte (Re)Thematisierung der Stadtpolitik in die Zeitungsspalten der […]

  4. möchte auch gern wissen, wer hinter den plakaten steckt – und für die nächsten spenden….prenzl wird wieda unsa !!


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