Verfasst von: ah | Februar 1, 2010

Valencia: Opern-Guerilla stört reibungslosen Markthandel

Ein hübsches Beispiel für die proaktive Transformation städtischer Räume kursiert gerade durch verschiedene Mailinglisten. Auf youtube gibt es ein Video in dem Opernsänger/innen die große Markthalle von Valencia für einige Minuten aus der sterilen Verkaufsatmosphäre reißen und in einen lebendigen Ort verwandeln. Von der Aktionsform irgendwo zwischen Flashmob und Kommunikationsguerilla angesiedelt, zeigen die Sänger/innen, dass große Hallen nicht nur für den Verkauf von Waren genutzt werden können. Ob wir es angesichts der gesungenen Arien schon mit einer Rückverwandlung kommerzieller Flächen in einen öffentlichen Raum zu tun haben, würde ich bezweifeln. Doch die Taktik der Aneignung von Raum und seiner zumindest kurzzeitige Transformation in einen Ort der Kollektivität der Gemeinsamkeit finde ich sehr anregend… Aber seht selbst:

Leider habe ich fast keine Informationen über den Entstehungskontext des Videos und die möglichen Intentionen der Opernsänger/innen. Über mehr und ausführlichere Hintergrundberichte würde ich mich sehr freuen.


Responses

  1. Ich vermute ja eine von diesen Werbemaßnahmen dahinter. Das Schild, welches am Ende hochgehalten wird (Ves como te gusta la Opera? esoqueseconocecomolaopera.com) führt zu einer derzeit toten Seite, heißt „Siehst du, wie dir die Oper gefällt? -Das, was als Oper bekannt ist.com-„. Und beim Videoersteller sind zwei spanische Web-Werbefirmen verlinkt.

  2. Wegen Schlaflosigkeit nochmal schnell nachgeschaut. Offenbar (laut Diario de Mendoza) waren die Opernleute von der Marktleitung angestellt, um eine Überraschung und Abwechslung anzubieten. Da das eigentliche Ereignis schon etwas her ist, fand ich leider keine Originalnachrichten mehr.

  3. das ganze ist ein viral für das palau de les arts reina sofía in valencia. die haben offenbar eine neue kommunikationsstrategie für digitale medien. z.b. nutzen sie auch twitter http://twitter.com/atenordelaopera/

    künstlerischer leiter der aktion war (u.a. laut youtube-text) amparo urieta, ein spanischer werbe- und kommunikationsspezialist.

    einfach eine ganz zauberhafte angelegenheit. offenbar so zauberhaft, dass viele sich darin wiedererkennen können: habe schon slow-food-blogs gesehen, die der meinung sind, da werde genau ihre idee des kultivierten essens umgesetzt (wegen des marktplatzes als ort). hier es halt die rückgewinnung kommerziell gestalteter flächen.

  4. Vorbild dieser Werbemaßnahme könnte das US-amerikanische Projekt „Improv Everywhere“ sein, bei dem ich aber bislang noch nicht auf kommerzielle Interessen/Beauftragung aufmerksam geworden bin. Andererseits scheint es weitgehend unpolitisch zu sein, außer dass öffentliche und halböffentliche Räume für ungewöhnliche, auffällige und aus dem Alltagstrott kurz herausreißende Aktionen genutzt werden.
    Zum Beispiel hier:
    Grocery Store Musical

    Subway Art Gallery Opening

    Frozen Grand Central


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