Verfasst von: ah | Juni 15, 2010

Rezension: Überblick mit Tiefgang

Christoph Villinger hat für die Tageszeitung Neues Deutschland eine kleine Besprechung meines beim Unrast-Verlag erschienenen Buches „Wir Bleiben Alle“ geschrieben:

Überblick mit Tiefgang – Stadtsoziologe erklärt Gentrifizierung

Sei es das Münchner Glockenbachviertel, St. Pauli in Hamburg oder Kreuzberg in Berlin. In den Auseinandersetzungen um steigende Mieten und Verdrängung der ärmeren Bevölkerungsschichten aus den Innenstädten hat in den letzten Jahren ein Wort Karriere gemacht: Gentrifizierung.
Was eigentlich unter Gentrifizierung zu verstehen ist, versucht in einem 80-seitigen Büchlein Andrej Holm allgemeinverständlich und doch zugleich auf der Höhe der internationalen wissenschaftlichen Diskussion zu klären…

Schön, dass Buch und Thema aufgegriffen werden. Schade, dass der Beitrag nicht, wie von dem Autoren angeboten in meiner Lieblingszeitschrift MieterEcho erscheinen konnte. In der Redaktion gibt es offensichtlich Zweifel, was meine politische Integrität für die Sache der Mieter/innen angeht, weil ich als Gutachter und über gemeinsame Veranstaltungen auch mit der Linkspartei und der Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammen arbeite.

Im Vorwort einer ansonsten sehr lesenswerten Ausgabe zu den öffentlichen Wohnungsbeständen in Berlin waren ein paar wirre Gedanken über den Arbeitskreis Linke Metropolenpolitik zu lesen, in dem ich seit Jahren mitarbeite:

Tatsächlich ist die ‚rot-rot‘ genannte Koalition erfolgreicher im Privatisieren von öffentlichen Wohnungsbestädnen als jeder andere Senat. Der Partei Die Linke ist dabei die wichtige Rolle zugefallen, dämpfend auf eine außerparlamentarische Opposition einzuwirken. Diese Aufgabe hat der AK Metropolenpolitik im Verbund mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung sehr erfolgreich wahrgenommen

Nun ist eine Kritik an der bisherigen und aktuellen wohnungspolitischen Performance der Linkspartei sicher mehr als angebracht. Ausgerechnet die Diskussionskreise dafür in Verantwortung zu nehmen, die versuchen diese Situation zu verändern und einen stadtpolitischen Diskurs über Szene-, Vereins- und Parteigrenzen hinaus zu organisieren, ist einfach nur borniert. Dass die kleine Buchbesprechung nun ausgerechnet beim Neuen Deutschland erscheint, ist sicherlich neues Wasser auf den Mühlen.


Responses

  1. „Nun ist eine Kritik an der bisherigen und aktuellen wohnungspolitischen Performance der Linkspartei sicher mehr als angebracht.“

    Das ist ja eine feine Feststellung – feststellen muss ich aber auch, dass diese Kritik weder vom AK noch von der RLS geführt wird. (ODer nur hinter vorgehaltener Hand?)

    Der AK karrt gern kritische Geister aus allen Teilen der Welt zusammen, aber wenn es um die rot-rote Senatspolitik geht, kommt nicht mehr viel. Ich hatte als Außenstehender stets den Eindruck, da herrsche ein seltsamer Burgfrieden, als ob man die eigenen Regierungsbeteiligten nicht öffentlich (und sei es nur sachlich) angehen wollte.

    Die Worte im MieterEcho finde ich auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Sie aber einfach als „wirr“ abzutun und AK und RLS als die Retter eines kritischen stadtpolitischen Diskurses in der Stadt dem entgegen zu stellen, zeugt aber auch nicht gerade von Kritikfähigkeit.

  2. Lieber DJ Tüddel,

    die Veranstaltungen des AK Linke Metropolenpolitik sind ja in der Regel als relative offene Diskussionsveranstaltungen organisiert, in der sehr verschiedenen Positionen zu Wort kommen, die sonst eher selten miteinander kommunizieren (kritische Wissenschaftler/innen; Akteure aus Bewegungen und Initiativen; politische Mandatsträger/innen und Verwaltungsmitarbeiter/innen). Das kann als hilf- und zahnlose Suchbewegung empfunden werden, da keine fertigen Antworten und Positionen unmittelbar in politische Forderungen und Parolen übersetzt werden. Aber ein stadtpolitischer Diskurs wird nicht zu führen sein, wenn wir uns immer nur gegenseitig bestätigen. Zu verschiedenen Themen (QM, Sanierungsgebiete, Vermietungspraxis der Wohnungsbaugesellschaften) gab es z.B. sehr kontroverse Debatten und es wurden auch eine Reihe konkreter Vorschläge diskutiert. Ob diese Diskussionen helfen, in konkreten stadtpolitischen Auseinandersetzungen und für Entscheidungen, die richtigen Schlüsse zu ziehen, kann ich nicht wirklich einschätzen. Der AK ist eben vor allem ein Diskussionskreis und eben kein politikgestaltender Think-Tank.

    Das „wirr“ bezog sich daher auch nicht auf eine sicher sinnvollen Kritik an der Arbeit von AK und RLS (wie du sie im Kommentar formulierst) , sondern auf die Behauptung der AK Linke Metropolenpolitik würde „dämpfend auf die außerparlamentarische Opposition einwirken“.


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