Verfasst von: ah | Dezember 23, 2010

Berlin: Besinnliche Erinnerungen

Die Festtage zum Jahreswechsel boten ja in den vergangen Jahren in Prenzlauer Berg reichlich Anlass zum Spott über das weihnachtlichen Reiseverhalten der Zugezogenen. Mit Plakaten bedankten sich Ostberliner für die freien Parkplätze (Weihnachten 2005) und wünschten eine gute Heimfahrt (Weihnachten 2006).

Für alle, die nicht mehr in die Stadt ihrer Kindheitserinnerungen reisen können, hier ein paar besinnliche Bilder aus den 1980er Jahren…

Alle Fotos wurden rund um den Helmholtzplatz aufgenommen – Musik und Text sind von Reinhard Lakomy, der einigen durch seine Kinderlinder bekannt sein könnte.


Responses

  1. Ja, wirklich schrecklich, wie Ost-Berlin sich verändert hat.
    Meine Heimatstadt, gleich kurz vor Hamburg sieht heute auch völlig anders aus, ich kapier nicht mal mehr die Straßenführung. So ist das – in 20 Jahren bewegt sich was.

  2. Die vollen Regale, die grünen Straßenzüge, stimmt schon – da kann man wirklich nostalgisch werden. Aber wer wird hier eigentlich angeklagt? Berlin präsentiert sich gerne als weltoffene Stadt. Die Verklärung von Prenzlauer Berg und die besitzergreifende Raumverteidigung Einwohner, die angeblich ältere Bürgerrechte haben, erinnert mich ziemlich an die Schweiz. Da geht es aber ironischerweise vor allem gegen die preußischen Deutschen.

  3. Ach, wie schön muss das gewesen sein in Wintern wie diesen in einem unsanierten Altbau mit Kohleofen und zugigen Fenstern! Es ist wirklich schlimm, wie das inzwischen alles renoviert worden ist! Es grenzt an ein Wunder, dass sich Menschen bereitfinden, in diesen Häusern heute noch zu wohnen!

  4. Echt übel. Naja… Frohe Weihnachten!

  5. Schade, wie hier in letzter Zeit Sentiment und Politik durcheinandergeraten. Ich halte das für einigermaßen gefährlich. Gerade was die Verklärung der romantischen Jahre in Ostberlin betrifft, und wenn sie dann mit Termen wie „Kindheitserinnerungen“ gespickt ist. Ich will hier nicht einfach reinplatzen, ich halte Deine Arbeit für wichtig und gut, allerdings gibt es auch das Dorf aus meiner Kindheit nicht mehr so, wie ich es in Erinnerung behalten habe. Es gibt das Bauernleben nicht mehr, sogar die Alkoholiker sind aus dem Dorfbild verschwunden. Die Häuser sind aufgehübscht. Genau so wenig ist die Stadt, in der ich groß geworden bin (Bozen, Italien) noch so düster und heruntergekommen, wie sie in meinen Jugendjahren war. Auch dort gibt es dieses Latte-Macchiato-Lebensgefühl. Das hat nichts mit Ost oder West, mit politischen Systemen, oder gar Gentrification zu tun. Es ist ein Zeitgeist.

    Zudem wundert mich die latent durchscheinende Sympathie für diese unsäglich reaktionäre Plakataktion. Ist das ernstgemeint?

  6. genau das sind die ewig gleichen reaktionen der zugezogenen. und genau darum geht es auch. da kommen leute von außen und wollen einfach nicht wahr haben, dass menschen hier gerne so gewohnt haben, wie sie eben gewohnt haben. klar, so muss man ja auch denken, sonst hätte man ja auch keine berechtigung hier zu sein.

    fakt ist im übrigen auch, dass die damaligen bewohner sich größtenweils gar nicht an den tollen vollen regalen und bunten fassadan erfreuen können, weil sie sich das gar nicht mehr leisten können hier zu wohnen.

    das erinnert mich an diese zettel mit „schwaben raus“-parolen, die vor einigen jahren im bezirk geklebt wurden. einer davon klebte an einem spielplatz im bötzow-kiez. jemand hatte mit einem kuli darauf geschrieben; „wir bezahlten diesen spielplatz!“. mal davon abgesehen, dass sich an dieser stelle schon zu honeckers zeiten ein spielplatz befand, macht das diese einstellung so sehr deutlich. ich frage mich, wie man gerne da wohnen kann, wo man so wenig gerne gesehen ist. aber die antwort diesbezüglich ist ja wieder sehr einfach; es geht nur ums geld. ethik und moral bleibt da außen vor. die kann man dann im bioladen „bedienen“.

  7. […] In seinem Blogeintrag anlässlich der Feiertage zeigt Holm “ein paar besinnliche Bilder aus den 1980er Jahren”, als die Welt noch in Ordnung und die Latte-Macchiato-Trinker noch im Westen waren, gewidmet all denen, “die nicht mehr in die Stadt ihrer Kindheitserinnerungen reisen können”. […]

  8. Jaja, diese Fremden nehmen Euch die billigen Wohnungen weg.

  9. Was für eine Aufregung
    Alles wahrscheinlich ein Sprachproblem, die Zugezogenen sprechen eine andere Sprache: Unta Zuagroaste vaschdäd ma Leid, die vo außerhoib kemma und de meistns ned mid da Sproch vatraud san.

  10. die Bilder mit dem Lied sind doch einfach wunderbar nostalgisch, kann man die nicht einfach genießen egal ob Ossi oder Wessi?

  11. Von mir ein „wertfrei schön“ , Danke für die alten Bilder, Harald

  12. Hallo Andrej,

    der Urheber der Fotos würde mich interessieren.
    Denn einige der Fotos kommen mir bekannt vor.
    Habe Sie im Archiv des Kiezladens Dunckerstraße 14
    schon mal gesehen.

    Viele Grüße,

    Marco

  13. Hallo Marco,
    leider geht aus den Informationen bei youtube nicht hervor, wer die Bilder gemacht hat. Den Kiezladen in der Dunckerstraße kenne ich ganz gut, habe selbst lange Zeit bei der Betroffenverterteung und in der Stadtteilgruppe dort mitgearbeitet.

    Beste Grüße und Danke für den Hinweis,

    Andrej

  14. Die Zeit von 1989 bis 2000 war sehr schön im Prenzlauer Berg, Freiheit, Veränderung, pulsierendes Leben.
    Doch durch den künstlichen Hype und die vielen Immobiliengeier sind Leute angezogen worden die aus Ihrer spießigen Umgebung ausbrechen wollten, und dennoch kurz nach der Ankunft begannen die „Szene“ so verspießen, wie das Nest aus dem sie einst flohen.
    Die meisten der ersten Zugezogen haben sich integriert, nur die vielen Nachkömmlinge assimilieren statt sich zu integrieren.
    Ich mache von Zeit zu Zeit einen Besuch in meinem alten Kiez, und nehme es als die größte Komödie der Welt war. Am schärfsten sind die Mütter am Kollwitzplatz, dort einen Kaffee trinken und eine halbe Stunde zuhören, mein Zwerchfell tut spätestens dann weh.
    Die ganzen „frühgeförderten Genies“ was die nicht schon alles können, Goethe vorlesen mit 3, Yoga-Jugendtrainer mit 5, Abi mit 12?
    Eigentlich wollen die kleinen doch nur ein Eis oder dem Spielkameraden Sand auf die Jacke schütten.
    Mit dem politisch korrekten Volvo-Kombi werden nur Bioprodukte ins Nest gekarrt, und beim ausladen des Bugaboo der Pilot des rußenden VW-Busses angemacht, weil die Umweltplakette fehlt und das überhaupt eine riesen Sauerei sei.

    Wie auch immer, ich bin 2006 aus dem Prenzlauer Berg zum einst gleichen Mietpreis in einen zentralen intakten Berliner Kiez gezogen, der noch alles hat, was der Prenzlauer Berg verloren hat: Ein echter Querschnitt durch die Bevölkerung, Arbeiter, Intellektuelle, Künstler, Unternehmer, Studenten, Rentner und normale Familien mit Kindern quer durch alle Einkommensschichten.
    Prenzlauer Berg ist nicht umsonst in den Bezirk Pankow integriert worden, der ja eher für konservative Bürger bekannt ist.

    Also Prenzlauer Berg, ich komme wieder, zum ablachen.


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