Verfasst von: ah | September 27, 2011

Polen: Zwangsräumungen und Containersiedlungen

"Keine Container Ghettos" - Protest gegen Zwangsräumungen in Poznan

Auf der Webseite des anarchistischen Hausprojektes Rozbrat in Poznan wurden kürzlich Namenslisten mit den Adressen von 278 Haushalten veröffentlicht, die von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ZKZL geräumt werden sollen. Mit der Veröffentlichung wollen die Aktivist/innen zeigen, das entgegen der öffentlichen Stellungnahmen nicht nur „einzelne renitente Mieter“ geräumt werden sollen, sondern auch Familien mit Kindern und Bewohner/innen mit Behinderungen.
Da nach polnischem Recht – ein Relikt aus den sozialistischen Gesetzbüchern – niemand einfach auf die Straße gesetzt werden darf, haben mehrere Stadtverwaltungen begonnen Container-Siedlungen für die Exmittierten zu errichten.
Die Stadt Poznan hatte im Juli beschlossen ein solches Container-Dorf auf einer Industriebrache zu errichten. Mieterinitiativen protestieren seither gegen die drohenden Kündigungen und kritisieren diese Form der staatlich organisierten Ghettoisierung.

Das Leben in den Container-Siedlungen ist denkbar schlecht. Der Newslog der Infoseiten-Polen verweist auf eine längere Reportage des staatlichen Fernsehsenders TVN zu den Container-Siedlungen in Sosnowiec, Bytom und Bydgoscz:

Danach leiden die Bewohner unter der gesellschaftlichen Isolierung und Stigmatisierung, die dadurch verstärkt wird, dass sich in den Container-Siedlungen auch viele Menschen mit Alkoholproblemen und einer ausgeprägten Problem-Biografie zusammenfinden. Die Wohnverhältnisse in den Containern sind eng und ungesund. Die Wände sind unzureichend isoliert und nicht selten undicht. Feuchtigkeit in den Wohnungen tritt häufig auf. Bei den Heizungen handelt es sich um Elektroheizungen, die sehr teuer sind und zumeist per Münzeinwurf funktionieren. Und an den notwendigen Münzen fehlt es oft.

Die Bilder und Pläne der geplanten Sozial-Container-Siedlung in Poznan bestätigen die engen Wohnverhältnisse (Kontenery socjalne jednak staną w Poznaniu):

Container-Siedlung für Sozialmieter/innen in Poznan (Polen)

Sozial-Wohn-Container in Polen: Wiederkehr des Schlichtwohnungsbaus

Auch der Grundriss der Container zeigt, dass die Wohnverhältnisse der polnischen Sozialmieter/innen auf das Notwendigste beschränkt bleiben sollen. Baracken und Schlichtwohnungsbau prägten in den Nachkriegsjahren vielerorts in Europa die Wohn- und Lebensbedingungen der ärmeren Schichten. Das Wohnen am Existenzminimum im 21. Jahrhundert sucht offenbar den Anschluss an diese historischen Vorbilder.


Responses

  1. Ich finde es schon relativ dreist Container überhaupt „Sozial-Wohnungen“ zu nennen. Das sind einfach die gleichen Verhältnisse wie in Asylghettos hie in Deutschland. Da haben sie mit den historischen Vorbildern ganz recht.

  2. Das sind die gleichen Verhältnisse in denen viele produktiv arbeitende Menschen ihren Arbeitstag und ihre Pausenzeiten verbringen.

    Warum sollten diese Menschen denen, die nur die Hand aufhalten, einen höheren Standard finanzieren, als sie selber genießen?


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