Verfasst von: ah | Mai 7, 2013

Berlin: Schwabenhass – Klappe, die Vierte

Bild von „Free Schwabylon“ (denen es auf ironische Weise gelingt, den Unsinn der Schwaben-Debatte bloßzustellen)

Berlin diskutiert mal wieder seinen Schwabenhass. Auslöser diesmal: keine ironischen Plakate gegen die westdeutsche Dominanz in Prenzlauer Berg, keine Buchveröffentlichung zu Müttern in Prenzlauer Berg und kein Thierse-Interview, sondern hässliche Parolen an den Wänden.

Statt über die fatale Geschichtsvergessenheit zu debattieren, die in einer unweit der Synagoge in der Rykestraße  gesprühten Parole „Kauft nicht beim Schwab’n“ deutlich wird, geht es mal wieder um die Gentrification-Kritik und ihre angeblichen Sündenböcke.

Die Kommentare zu einem Interview in der taz („Schwabenhass ist ein Phantom“) offenbaren das ganze Elend der Debatte. Unbelegt steht hinter vielen Wortmeldungen die Formel  „Gentrification-Kritik = Schwabenhass = Fremdenfeindlichkeit“. Das Argument einmal geschluckt, verbietet sich dann natürlich jede Kritik an Mietsteigerungen und Verdrängung. So jedenfalls lesen sich eine Reihe der Kommentare. Selbst meine Forderung, sich mit Mietfragen statt mit Schwaben zu beschäftigen, wird in einen Beleg des angeblichen Ressentiments umgedeutet.

Mir ist nicht ganz klar, worauf diese Debatten abzielen. Sollen jetzt alle eine schlechtes Gewissen bekommen, die sich über die letzte Mieterhöhung geärgert haben, oder gegen die Modernisierungsankündigung oder Umwandlung in ihren Häusern protestieren?

So ärgerlich, hässlich und dumm Parolen gegen Schwaben, Witze über Ostfriesen oder Klischees über Ossis und Wessis* auch sein mögen – ich verstehe immer noch nicht, warum sich ausgerechnet die stadt- und mietenpolitischen Initiativen damit herumschlagen sollen.

Der Schwabenzirkel – oder wie sich eine Diskussion im Kreise dreht

In den Kommentaren zu meinem Interview in der taz („Schwabenhass ist ein Phantom“) gibt es gleich mehrere Beiträge, die fest davon ausgehen, dass Parolen wie „Tötet Schwaben“, „Schwabe verpiss dich“ oder eben auch „Kauft nicht beim Schwab’n“ Teil eines „Antigentrifizierungs-Bewusstseins“ (Bajramaj) wären. An anderer Stelle wird behauptet „Schwabenhass ist die Gentrifizierungskritik der dummen Kerls“ (Thomas_More) und „das Phänomen des ‚Schwabenhasses‘ ist deshalb interessant, weil eine hier fast lupenrein sehen kann, wie soziale Konflikte ethnisiert werden“ (O.F.). Das ist erstaunlich, denn weder die anonymen Parolen noch die gentrifizierungskritischen Gruppen in der Stadt haben einen solchen Zusammenhang (Schwaben = Gentrification = soziale Frage) behauptet. Trotzdem – und deshalb spreche ich auch von einer Phantom-Debatte – werden die schwabenfeindliche Plakate, Parolen und Grafittis zur Projektionsfläche für die Kritik an der Gentrification-Kritik.

Erstaunlicher Weise sind es fast immer diejenigen, die eigentlich ganz gut erklären könnten, warum „Schwaben“ und „Gentrification“ zwei sehr unterschiedliche Paar Schuhe sind, die einen solchen Zusammenhang immer wieder behaupten, um sich dann umso vehementer davon abzugrenzen und ihn mir und anderen um die Ohren zu hauen.

Als Beleg für einen Zusammenhang „Schwabenhass“ und Gentrification-Kritik wird in der Regel auf die angeblich weit verbreiteten Parolen und aufgeschnappte Kneipengespräche in Neukölln verwiesen. Mag sein, dass es das gibt. Ich bin nur noch selten in Prenzlauer Berg und noch seltener in Neuköllner Kneipen – und kann das nicht wirklich gut einschätzen. Ich frage mich aber, was die Gentrificationkritik damit zu tun haben soll und warum ich „meine Hände nicht in Unschuld waschen“ (Thomas_More) könne?

Ich mag mich mit Neuköllner Kneipengesprächen und den Fassaden um den Kollwitzplatz nicht so gut auskennen – was ich ganz gut einschätzen kann, sind jedoch die unzähligen  Stadtteilinitiativen, Mietergruppen und wohnungspolitischen Protestmobilisierungen in der Stadt. In keiner dieser Gruppen – die ich mal pauschal als den Kern der Berliner Gentrification-Kritik umschreiben würde –  wird über Schwaben diskutiert, die allermeisten fordern ihr Recht auf Stadt ein, wollen die nächste Mieterhöhung verhindern, kritisieren die Regierung oder wollen die kapitalistische Organisation der Wohnungsversorgung überwinden. Sind die jetzt für den „Schwabenhass“ verantwortlich? Werden mit Forderungen nach mehr Mieterrechten, gegen die Privatisierung von Wohnungen oder für eine soziale Wohnungspolitik gegen Schwaben gerichtet Ressentiments geweckt oder gerechtfertigt? Ich verstehe es nicht.

Noch skurriler wird es, wenn aus meiner Forderung, doch lieber über Mietenpolitik zu diskutieren (statt über die angebliche Rolle der Schwaben im Gentrification-Prozess), der Vorwurf abgeleitet wird, ich würde „nichts anderes als linke Überfremdungsängste artikulieren“ (BaldBerliner). Hää? Wer über Mieten reden will, schürt „linke Überfremdungsängste“?

Ausgerechnet jene also, die die städtischen Veränderungen als soziale, ökonomische und politische Frage thematisieren, werden in den Kommentaren in die Nähe von Rassisten und Nazis gestellt (siehe taz-Kommentare von fariz, andreas, unbequemer, verlusterfahrung etc.).

Ich könnte es mir einfach machen und den Wortmeldungen die Intention unterstellen, den städtischen sozialen Bewegungen durch Diffamierung schaden zu wollen. Ich könnte wohlwollender auf die Thematisierung von Ausgrenzung und Diskriminierung schauen und mir würde trotzdem nicht viel mehr dazu einfallen, als immer wieder zu sagen, dass die Gentrification nichts mit den Schwaben zu tun hat… Aber genau da sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt und drehen uns im Kreis. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heisst:  „Schwabenhass. Klappe die Fünfte…“

* Aufzählung von in bundesdeutschen Alltagsdiskursen gängigen Zuschreibungen  herkunftsbezogner Gruppenzugehörigkeiten, die  i.d.R. (bis auf die Ostdeutschen) keinem strukturellem Unterdrückungsverhältnis oder materiellen bzw. rechtlichen Benachteiligungen unterworfen sind.


Responses

  1. Danke für den aufhellenden Kommentar! Dass Gentrifizierungskritik in dieser Art (schräg) kritisiert wird, war mir aus meiner Provinzmetropolen-Perpektive nicht bewusst. In Leipzig verläuft das noch weniger kanalisiert: Es reicht aus, das als (ultra-)linke Spinnerei abzutun.

    Dennoch wäre für mich das taz-Interview verständlicher gewesen, wenn solche Parolen wie „Kauft nicht beim [wieauchimmerdiskriminierten]!“ eine angemessene Verurteilung bekommen hätten. Das als bedeutungslos abzutun, lässt unsere Geschichte m. E. nicht zu.

    Weiterhin lese ich hier gerne mit.🙂

  2. Bei den meisten Gentrifikationskritikkritikern geht es nicht um irgend einen Inhalt, es geht um die gute ate deutsche Schadenfreude und Häme, darum, den „Linken“ und vor allem den „Gutmenschen“ zu zeigen, daß sie auch nicht besser sind als der restliche Plebs.
    Gerne auch in Verbindung mit „Ersetze Schwabe durch Türke/Jude/wasauchimmer“

  3. Reblogged this on thaelmannpark.

  4. So recht du mit dem hast, was du hier im Artikel geschrieben hast, so sehr lässt du einen wesentlichen Teil des öffentlichen Diskurses um Gentrification, steigende Mietn und Verdrängung einfach weg, und deswegen erscheinst du dann auch so ratlos, weil eben die Brücke zum Schwabendiskurs einfach ausgelassen, übersehen, ignoriert wurde: Es ist die Aufwertungsdebatte und die Verwicklung der Mittelschicht darin. Oder anders gesagt, die Parole „Yuppie verpiss dich!“, wenn man es will, gehört auch die Baugruppendebatte dazu.

    Diese Diskurse, so wichtig es ist sie zu führen und die sozialstrukturellen Hintergründe der Verdrängung damit zu beleuchten, sind immer eine Gratwanderung und bergen die Gefahr, in xenophobe Abgrenzungsmuster zu kippen. Der Schwabenhass ist dann nur noch einen Steinwurf entfernt. (Wobei die Frage zu stellen wäre, wer hier wirklich Schwabenhasser_in ist und wer sich nur der Lust hingibt, mal wieder ordentlich Medienrandale zu betreiben.) Erinnert sei jedenfalls an den Treppenhaus-Feuerteufel, der im Prenzlauer Berg Kinderwagen angezündet und zig Menschenleben gefährdet hatte, weil er die Kinderwagen mit Mittelschicht und im Zweifelsfall mit Schwabentum identifiziert hatte.

    Gleichzeitig sind es aber auch die Diskussionen um Mittelschichtsinteressen in der Stadtentwicklung, die auf die entschiedensten Abwehrhaltungen stoßen. Daher das Interesse, sie öffentlich zu diskreditieren. Die Ethnisierung der sozialen Frage (diese Bezeichnung halte ich übrigens für sehr zutreffend), also statt der Benennung von sozialen Klassen auf regionale Herkünfte zu verweisen, haben sich sicherlich nicht diejenigen ausgedacht, die die soziale Frage abzuwehren versuchen, wenn es an Mittelschichtsgewissheiten geht. Das kriegen (linke?) Einfachdenker_innen auch alleine hin, so’n Dummfug zu verbreiten. Aber eine Steilvorlage für alle Eigentumswohnungsinhaber_innen ist der Schwabenhass sicherlich, um die Kritik am eigenen Handeln und den eigenen Interessen zu diskreditieren.

  5. Meines Erachtens krankt die ganze Gentrification-Debatte an der begrifflichen Unschärfe. Es sollte völlig egal sein, ob jemand latte macchiato trinkt, wo er herkommt oder Bionade oder sonstwas. Es geht um Besitzverhältnisse, um Kapitalakkumulation, um Mehrwerterzeugung. Wem gehören die Häuser, wer verdient daran, für wen zahlt man eine höhere Miete. Im Tagesspiegel standen kürzlich wieder ein paar Zahlen zur aktuellen Situaton am Mehringdamm und in der Bergmannstraße.

    http://exportabel.wordpress.com/2013/05/08/neues-aus-kreuzberg-und-von-gott/

    Es geht um die Eigentumsfrage, die gestellt werden muss. Auch Begriffe wie Enteignung sollten da auftauchen. Die Bodenfrage wird heutzutage ja überhaupt nicht mehr diskutiert, da waren wir in den Zwanzigern und auch in den Sechzigern (Mitscherlich) schon weiter.

    Alles andere ist Ablenkung, ganz im Sinne des Kapitals.

    P.S.: Nach wie vor finde ich es völlig unverständlich, dass das Salzburger Modell hierzulande keine Erwähnung findet. Ich vermute systemische Gründe.

    http://exportabel.wordpress.com/2013/01/29/salzbau-wohnungsneubau-fur-478-euro-pro-quadratmeter/

    Und, Andrej Holm, bei allem Respekt für deine Arbeit, aber die Gefahr des Zerredens besteht bei dir auch. Du musst dich messen lassen an der Realität, und da sieht es, was Mietentwicklung und Eigentumsverhältnisse angeht, nicht gut aus. Bezeichnend auch nach zehn Jahren rot-rotem Senat.

    • Hallo genova68,
      vielen Dank für deinen Kommentar und die nachdrückliche Klärung, dass Gentrification ohne Eigentumsfragen und Kapitalakkumulation nicht zu verstehen ist. In der Regel versuche ich genau das ja auch zu vermitteln – Problem ist, wie du sicher weisst, dass unsere Wirklichkeit komplexer ist und wir uns mit allen möglichen Phänomenen, Diskursen und sogar subjektiven Wahrnehmungen herumschlagen müssen. Du kannst meine Auseinandersetzungen mit diesen Aspekten der Stadtentwicklung gerne als „Gefahr des Zerredens“ ansehen – aber für eine offene Diskussion zu diesen Themen gibt es ja ganz offensichtlich Bedarf (siehe Kommentar von DJ Tüddel).

      Warum ich mich an der Realität der Mietentwicklung messen lassen muss, verstehe ich nicht ganz? Genau damit setze ich mich ja recht regelmäßig auseinander. Was meinst du denn damit?

      Grüße AH

      • Hallo AH,
        das sollte keine fundamentale Kritik an deiner Arbeit sein, entschuldige. Ich finde es ja wichtig, dass es solch einen Blog und mehr gibt. Ich meine aber, das hat alles keinen praktischen Sinn. Man kann vielleicht in ein paar Fällen Mieterhöhungen abwenden, aber die Richtung insgesamt wird nicht gedreht. Es geht eben um Kapitalverhältnisse, die sich weltweit ausbreiten.

        Während wir hier diskutieren, hat vermutlich schon wieder ein Investor irgendwo zugeschlagen. Dem geht unsere Diskussion komplett am Allerwertesten vorbei.

        Es ist ja auch nicht so, dass zuwenig Wissen zu der Thematik vorhanden wäre. Es wird vermutlich nur von den immergleichen rezipiert, wie in anderen Fällen auch.

        Ich hielte deshalb eine konkretere Vorgehensweise für sinnvoll. Ich habe hier schon einmal das Salzburger Modell angesprochen. Wieso erhebt man nicht die Forderung, auf dem Tempelhofer Feld 1000 oder 2000 oder 5000 Wohnungen zu bauen, nach diesem Vorbild, sofort, Einzug in zwölf Monaten?
        Wir haben eine massive Produktivkraftentwicklung, es ist auch auf dem Wohnungssektor vieles möglich, es gibt mittlerweile eine Menge Beispiele, wie man auch materiell preiswert und gut bauen kann, beispielsweise auch in Form alter Container. Es gibt Beispiele von der Wüstenrotstiftung bis arch+

        Den Boden hat die Stadt kostenlos rauszurücken, Kredite gibt es derzeit eh auf Inflationsniveau, es braucht keine lange Laberei. Verkürzung irgendwelcher deutscher Bürokratiewege, wenn nötig.

        Solche massiven und klaren Forderungen sollten gestellt werden, sonst nichts. Keine Schwaben, keine latte, keine weitere Theoretisiererei, auf in die Praxis. In den 1920er Jahren lief das hier meines Wissens wesentlich konkreter. Aber da gab es noch die Gehag in städtischem Besitz.

        Statt dessen gibt es in Tempelhof den Plapperverein grün berlin, es gibt eine Ausschreibung für eine neue Bibliothek dort und mehr. Das, was wirklich nötig ist, wird totgeschwiegen.

        Das meinte ich mit der Gefahr des Zerredens und des Messens an der Mietentwicklung. Natürlich ohne den Vorwurf einer persönlichen Schuld.

        Das nur als ein Beispiel,

  6. wer ein Problem mit Gentrifizierung hat,
    sollte eben genau das sagen und nicht Schwaben raus/Kauft nicht bei Schwaben/…

    Die meisten Gentrifizierer sind nämlich gar keine Schwaben, und viele Schwaben in Berlin keine Gentrifizierer.

    Wer aber statt Gentrifizierung anzupranger, eine Zuwanderergruppe als Sündenbock benutzt, und dann statt Gentrifizierung zu kritisieren auf diese vermeindlich schuldige Bevölkerungsgruppe hetzt, diskreditiert sich nur selber.

    darum nochmal

    wer ein Problem mit Gentrifizierung hat,
    sollte eben genau das sagen und nicht Schwaben raus/Kauft nicht bei Schwaben/…

    • „Schwabe“ ist in dieser Debatte ein Synonym für wohlhabende Menschen – die, so das Klischee – aus Westdeutschland nach Berlin gezogen sind. Es ist ein Synonym für Leute, die Eigentumswohnungen und Häuser kaufen oder es sich leisten können bei teuren Baugruppenprojekten mitzumachen. Der Volksmund spricht dann eben nicht von „Gentrifi… irgendwas“ sondern platt und verallgemeindernd von „Schwaben“.

      • ja und „Juden“ war wohl auch nur ein synonym

  7. Hallo Andrej,

    zu dem Phänomen, warum ausgerechnet die Schwaben mit vermeintlich negativen Entwicklungen Berlins assoziiert werden, habe ich mir mal meine Gedanken gemacht. Selbstverständlich ist dies nur ein Ansatz, aber vielleicht schlägt er eine Brücke zwischen den Veränderungen des Zusammenlebens (nicht der des Städtebaus) und „den“ Schwaben. Ich denke, dass das Problem vieler „Berliner“ mit „den“ Schwaben eher in deren Auftreten zu suchen ist. Und da unterscheiden sie sich möglicherweise von anderen innerdeutschen Minderheiten in Berlin, was zu Reibereien mit „Urberlinern“ führt.

    http://alexberlinblog.wordpress.com/2013/05/03/innerdeutscher-fremdenhass-warum-ausgerechnet-die-schwaben/

  8. […] ist Ihmestadt gerade nochmal darum herum gekommen etwas zum Berliner „Schwabenhass“ zu schreiben und mittels intellektueller Verrenkungen auf die Situation in Hannover zu übertragen. […]

  9. Jedes Kind kann Ökonomie besser: ich habe mich schon immer gefragt, warum öffentliche Einrichtungen schließen müssen, der Staat kann doch einfach Geld drucken und die Arbeitsplätze dort finanzieren, dadurch wird auch Nachfrage angekurbelt. Die schlecht ausgebauten „Sozialstaaten“ nach neoliberalen Leitgedanken sichern nur Armut ab, das ist viel teurer, als in Menschen zu investieren und Nachfrage aufrecht zu erhalten. Das ist wie bei des „Kaisers neue Kleider“, die Wirtschaftswissenschaftler werden als „Experten“ anerkannt, weil Kräfte, die sich gegen die Marktwirtschaft wehren wollen, als dumm und links-ideologisch und utopistisch belächelt werden und man sich einer „Mehrheitsmeinung“ anzupassen hat. Daher hat man BWL, Jura, Ingeneurswissenschaften oder Medizin zu studieren und Perlenohrringe zu tragen, sowie CDU zu wählen.Mittlerweile führt der reine Kapitalismus ebenso zu einer Diktatur, in der sich keine demokratisch pluralistische Gesellschaft und eine Nachhaltige Ökonomie entwickeln kann. Aber die „Konservativen Werte“ „schaffen, schaffen Häusle bauen“ brauchen auch ihre Nachfrager für ihre Unternehmensprodukte, wenn alle anderen Milieus in Slums außerhalb der Stadt wohnen, kann sich keiner mehr ihre Produkte leisten, der Staat hat aber hohe Ausgaben für die Armuts- und Kriminalitätsbekämpfung. Und da der Reichtum weiterhin auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen beruht, wird die Welt sowieso bald untergehen. Die anerkannten Wirtschaftswissenschaftler denken immer noch Realitätsfern und fühlen sich als Pragmatische Experten, sie haben aber keinerlei sozialwissenschaftliche Kompetenz, die zwingend hinzugezogen werden müsste, um für eine Nachhaltige Ökonomie zu sorgen. Die ganze Kapitalismusideologie beruht auf einer falschen Ursachen-Wirkungs-Beziehung, dass Wachstum Wohlstand bedeute. Als Stadtplanerin habe ich sowohl Soziologische als auch Ökonomische Kompetenzen, und denke grundsätzlich erst an die Menschen. Dazu sind liberale Wirtschaftswissenschaftler wohl nicht fähig, das ist das Problem. Wir müssen diesen Kapitalismus von unten aufhalten! Ein ausgebauter Skandinavischer Sozialstaat führt ja nicht zu einer Diktatur des Sozialismus! Auch die Wirtschaftswissenschaftler müssen an alle Menschen denken: jede Berufsgruppe mit „Kulturellem Kapital“ ist auf Umverteilung angewiesen, das wäre viel demokratischer, wenn das ein gewählter Staat macht, als dass sie auf gemeinwohlorientierte Institute angewiesen sind.

  10. Tja,
    irgendwie scheinen meine Vorstellungen zu konkret zu sein, als dass man dazu noch etwas sagen könnte.

  11. @Marco: Überleg bitte nochmal, ob es Sinn macht die Disskusion in diese Richtung zu lenken …

  12. Versuche die Gegenseite zu verstehen… das ist es was dem auf der „anderen Seite“ meist fehlt. Ich kann verstehen, dass es nervt, wenn man versucht konstruktiv Probleme zu lösen und dabei dann die Rassistenkeule übergezogen bekommt.

    Aber versuche doch auch mal meine Seite zu verstehen: Ich will mit diesen Anfeindungen nicht leben. Kein Mensch sollte mit Diskriminierung qua seiner Herkunft leben müssen. Dagegen wehre ich mich. Und wenn du mit deinem Anliegen was erreichen willst, so kann es eine Lösung sein, dich klarer gegen die Leute abzugrenzen, die diese Parolen an die Wände schmieren. Hau denen auf die Finger, sag Ihnen dass das nicht in Ordnung ist! Zielführend ist es nämlich in keiner Weise seine Probleme auf eine ethnische Minderheit abzuwälzen. Damit verliert man die Sicht auf das Problem, da man viel zu sehr damit beschäftigt ist seinen Hass auf andere zu projizieren.

    Ich versuche ebenfalls die andere Seite ein bisschen besser zu verstehen und sehe ein, dass man differenzieren muss und nicht jeden gleich in die rechte Ecke stellen darf. Und genau deshalb finde ich es wichtig, dass diesen paar wenigen Leuten, die diese Verunglimpfungen von sich geben, die Rote Karte für Ihr Verhalten gezeigt wird. Und zwar jedes mal wenn der Begriff „Schwabe“ in negativem Zusammenhang fällt. Ich bin überzeugt davon dass du auch solche Leute kennst. Die Frage ist, ob du AKTIV gegen das NICHT zielführende Schwaben-Bashing vorgehst?

    Wenn das mal aufhört klärt sich vielleicht der Blick von allen Seiten auf das Problem ein wenig auf und wir kommen im Lösungsprozess voran.

  13. Grundsätzlich ist dein Ansatz nicht verkehrt. Und ich stimme dir zu, dass solche Leute die vorhandenen und wahrlich berechtigten Kritikpunkte der Gentrifizierungsgegner in den Hintergrund treten lassen – und damit „der Sache“ einen Bärendienst erweisen. Allerdings ist Verständnis eben auch keine Einbahnstraße. Und viele Berliner haben offenbar den Eindruck gewonnen, dass sie bei Investoren und Käufern bzw. Neumietern (die ein Vielfaches zahlen, nur um sagen zu können, dass sie im „hippen“ Prenzlauer Berg leben) doch auch auf taube Ohren stoßen. Nicht umsonst ist die Kritik doch mittlerweile breit gestreut und bezieht sich beispielsweise auch auf Clubschließungen oder die Beschränkungen, die die Gastronomie verstärkt erfährt. Da will das „Feier-Volk“ von vor zehn Jahren heute seine Ruhe und alles um es herum muss dem Rechnung tragen. Die Clubs, in denen man vor Jahren noch selbst die Nächte durchtanzte, dürfen sich dann mit den Anwälten dieser Menschen herumschlagen und ziehen oft den Kürzeren. Wie kann denn von den Berlinern da dauerhaft erwartet werden, die Füße still zu halten und dies alles über sich ergehen zu lassen? Wenn Verständnis, dann doch bitte auf beiden Seiten. Nur dann gibt es einen Mittelweg. Der ist jedoch seit Jahren verbaut und dies liegt eben nicht an „den“ Berlinern. „Schwabe“ ist sicherlich nur ein Kampfbegriff, in dem die Unzufriedenheit kumuliert und daher sehr schwierig.


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